Im Frühjahr 1970 kam ich, nackt wie jeder andere Mensch auch, auf diese Welt. Seit dem habe ich viel
versucht, habe immer wieder probiert etwas zu erreichen, war immer wieder auf der Suche.
Gefunden habe ich viel. An manchen Tagen dachte ich tatsächlich, dass das Gefundene mich glücklich
machen könnte. Ja, es machte mich glücklich. Aber meist nicht für eine besonders lange Zeit. Und schnell war
ich wieder auf der Suche, schnell probierte ich wieder etwas Neues.
Ich bin weder hässlich, noch zu dünn oder zu dick. Dafür habe ich ein wenig Selbstbewusstsein. Dieses
Selbstbewusstsein scheint teilweise so stark, dass viele Menschen glauben, ich sei arrogant und
selbstherrlich. Wer mich kennt weiß aber das ich so gar nicht bin. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Ich bin
bestimmt so geworden, weil ich sehr verletzlich bin.
Immer wieder wird mir gesagt, dass ich den Eindruck hinterlasse, als wolle ich nicht erwachsen werden und
ich noch nicht reif genug für diese Gesellschaft sein. Beide Statements treffen überhaupt nicht zu. Erwachsen
sein bedeutet nicht, einen stetig gleichen Tagesrhythmus zu haben. Erwachsen sein bedeutet eben nicht, dass
man nichts mehr ausprobiert und sich nicht mehr ändert. Als Erwachsener tut man dies jedoch mit erheblich
mehr Bedacht als in den Zeiten der Jugend oder Kindheit. Wenn sich die Reife eines Menschen nach der Dicke
des Geldbeutels richtet, wäre es tatsächlich so, dass ich nicht reif wäre. Aber Reife soll und darf nicht mit
Überreife verwechselt werden.
Ja, ich lehne viele Dinge unserer Gesellschaft ab. Ich bin nicht immer glücklich bin. Das heißt aber nicht, dass
ich unglücklich bin. Denn mittlerweile habe ich erkannt, dass ich nicht immer glücklich sein kann.
Ich werde diese Welt nicht verändern. Aber ich möchte, dass die Menschen um mich herum wissen, dass ich
sie verändern würde, wenn ich könnte.
Dezember 2011
Ein ganz normales Männerleben